Problemhunde, Problemverhalten Hund

Gibt es Problemhunde?
Gibt es Problemhunde?

Problemhunde? Gibt es die eigentlich?  Immer wieder hört man von Hunden, die angeblich Problemverhalten zeigen. Doch welches Verhalten ist normal?  Während das Zusammenleben mit dem Hund doch eigentlich für Entspannung und Freude sorgen sollte, sind heute "Problemverhalten" oder "unerwünschtes Hundeverhalten" in aller Munde. Man hört und liest davon so oft, dass man den Eindruck gewinnen könnte, die Hunde verhalten sich heute nicht mehr "normal".  Was ist aber normales Hundeverhalten überhaupt?  Wenn man das Verhalten einmal professionell durchleuchtet, kommt man zu dem Schluss, dass sich die Hunde durchaus "normal" verhalten.

Problemverhalten? Auf den richtigen Blickwinkel kommt es an !

Häufig meinen wir nämlich mit der Bewertung "unerwünscht" oder "problematisch", dass das, was der Hund gerade tut, in der konkreten Situation oder gegenüber einer bestimmten Person oder einem anderen Vierbeiner unpassend ist.  Unsere Bewertung ist auch manchmal dafür verantwortlich, dass unsere Hunde so manches Mal gar nicht mehr wissen, wie sich eigentlich verhalten sollen.  Wichtig für uns wäre, über ihre wirklichen Bedürfnisse Bescheid zu wissen.

Die wichtigsten Bedürfnisse unserer Hunde

Hunde sind denkende und fühlende Lebewesen. Sie haben Bedürfnisse, die weit über die tägliche Futteraufnahme und den mehrmaligen Gassigehen hinausgehen.  Zu den Grundbedürfnissen gehören die Nahrungsaufnahme, Ausscheidungsverhalten, Ruhen und Bewegung.

Andere Verhaltensweisen haben mehr mit dem emotionalen Wohlbefinden zu tun wie Körperpflege oder Spiel.  Da unsere Hunde nicht primär allein, sondern obligat sozial leben, ist für sie der Kontakt zu Artgenossen und uns Menschen von großer Bedeutung. Manche Hunde können sogar eher auf Artgenossen als auf ihre menschlichen Bezugspersonen verzichten.

Hundische Bedürfnisse stillen

Zu den hundischen Bedürfnissen gehört es ausserdem, die Umwelt zu erkunden - und zwar auch einmal ohne ständige reglementierte Aufsicht des Menschen. Indem sie neue Erfahrungen machen und diese verarbeiten , lernen sie. Dieses Bedürfnis endet nie, auch im Erwachsenenalter nicht. Hunde möchten ihre Umgebung erforschen, aktiv nach eneuen Informationen, etwa durch Beschnüffeln von Urinmarkierungen von Artgenossen, suchen.  Aufmerksamkeitsheischendes Verhalten ist beispielsweise der Versuch des Hundes, sein Bedürfnis, etwa nach Zuwendung , zu stillen. Das aber nervt seinen Besitzer, wird also als problematisch empfunden.

Mensch-Hund-Alltag: Der aggressive Hund an der Leine

Ein Hund, der an der Leine regelmäßig viel zu nah an fremde Artgenossen geführt wird, ohne die Möglichkeit zu haben, selbst zu entscheiden, wie und ob er Kontakt aufnehmen möchte, wird womöglich schnappen, wenn er sich dieser Auseinandersetzung anders nicht entziehen kann.

Daraus lernt er, dass er nur dann Schaden von sich abwenden kann, wenn er selbst aktiv und und zubeißt. Wir sind es, die seine Bedürfnisse nicht kennen oder ignorieren und ihn so in eine Situation bringen, aus der er sich nicht anders zu befreien weiß. Und zu allem Überfluss halten wir dieses Verhalten dann auch noch für problematisch. Ausserdem fragen wir uns nicht, wie sich unser Hund fühlt, wenn er nicht seinem Bedürfnis entsprechend den Rückzug antreten kann.

Anspringen von Menschen

Das Anspringen von Menschen ist meist freundlich gemeint und eine Kontaktaufnahme, die nichts mit Dominanz zu tun hat. Der Welpe stupst damit die Schnauzenregion der Mutter an, um mit ihr Kontakt aufzunehmen und eventuell Futter zu erhalten.

Das begrüßende Anspringen unter Vierbeinern kann auch in Spiel übergehen. Unterbindet der Mensch diese Kontaktaufnahme barsch, eventuell mit heftigem Wegschubsen und Anschreien, so wird der junge Hund vermutlich weiter an den Menschen hochspringen, da er nicht versteht, warum er abgewiesen wurde.

Da dies aber in unserer Welt aus den verschiedensten Gründen unpassend ist, müssen wir unserem Hund eine Alternative aufzeigen - z.B. indem wir sein Springen nicht beachten und auch nicht belohnen, es jedoch würdigen, wenn er ruhig sitzt und uns dabei anschaut. Seinem Bedürfnis nach Kontaktaufnahme kann er so dennoch nachkommen.

Vorlaufen bei einem Spaziergang

Ein Hund, der beim entspannten Spaziergang vorläuft und sich immer wieder nach uns umdreht, ist nicht dominant. Er ist lebensfroh und möchte, dass wir als seine Bezugsperson an seinem Leben teilhaben. Dieses Verhalten ist absolut natürlich. Sollte er allerdings vorbeipreschen, um dann im Unterholz zu verschwinden und Wild zu jagen, sind wir angehalten, diesem Beutefangverhalten entsprechend entgegenzuwirken, z.B. durch ein Schleppleinentraining.

Spielfreude - Wer beginnt - wer beendet?

Ein weiteres Missverständnis unter Hundehaltern stellt die folgende Regel dar, wenn sie pauschal aufgestellt wird: "Der Mensch beginnt und beendet ein Spiel mit dem Hund immer und ausnahmslos". Hunde aber lieben es, zu spielen. Sie rennen für ihr Leben gern hinter ihrem Menschen her oder von ihm weg, schlagen gerne Haken und freuen sich darüber wie verrückt. Sie singalisieren mit typischen Gesten, dass hier gespielt wird.

Rollen wechsel sind unter Hunden normal, mal darf der Chef im Rudel das Spiel bestimmen, mal der unerfahrene Junghund. Diese ausgelassende Stimmung schadet der so viel beschworenen Autorität des Hundehalters keineswegs, sie fördert geradezu die Bindung zwischen Mensch und Hund. Zum eigentlichen Spiel ist übrigens nicht das monotone Ballwerfen zu zählen, es gehöröt sogar zum Bereich des Beutefangverhaltens.

Aggression gegenüber Artgenossen

Aggression ist in aller munde und der Begriff eindeutig negativ besetzt. Dabei ist Aggression absolut normales Verhalten, denn es zielt darauf ab, das, was den Hund stört, zu beseitigen und ein äußeres Gleichgewicht wieder herzustellen. Dabei ist nicht gemeint, dass ein Artgenosse körperlich beschädigt werden soll. Vielmehr soll er z.B. durch Knurren daran erinnert werden, dass er die Individualdistanz überschritten hat.

Beobachtet man Hunde während solcher Interaktionen genau, so bemerkt man, dass sie sich bereits Sekunden später wieder entspannt verhalten und zwar beide, soferen auch der Angeknurrte das Signal verstanden hat. Aggression ist zunächst also Kommunikation.

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