Hund und Mensch, eine spezielle Beziehung

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Azawakh - Windhunde- alisaB - pixelio.de

Der Beginn dieser wundervollen Beziehung reicht lange zurück. Allein schon die Phase der artgeschichtlichen Gewöhnung frühzeitlicher Wölfe an den Menschen soll etwa 100.000 Jahre gedauert haben.  Die Domestikation begann vor ca. 15.000 Jahren.  In dieser Phase haben Hund und Mensch sich sogar wechselseitig genetisch beeinflusst.  Nur so ist es zu verstehen, dass uns keine andere Tierart so gut versteht wie unsere Hunde.

Ein Blick zurück in die Frühgeschichte

Die ersten Siedlungen, die Menschen für ein sesshaftes Leben errichteten, entstanden erst, als sie ihr normadisches Leben als Jäger und Sammler aufgaben und begannen, Ackerbau und Viehzucht zu betreiben. Damit tat sich für die weniger scheuen Wölfe eine neue ökologische Nische auf, in der sie ständig allerlei Fressbares fanden.

Anders fühlten die scheuen Wölfe, die fühlen sich durch die Nähe des Menschen immer noch gestört. Auf jeden Fall kam es in dieser langen Zeitspanne, die über Jahrtausende dauerte, zur artbildenden Annäherung zwischen Wolf und Mensch.  Beide lernten sich über Beobachtung und Erfahrungen immer besser kennen.

Für die menschliche Entwicklung brachte die spätere Symbiose Mensch/Hund erehebliche Vorteile, die für die Kulturenentwicklung der menschlichen Spezies nicht hoch genug gewürdigt werden können: Hunde zeigten schon früh über ihre hohe Anpassungsbereitschaft in fast allen Lebensbereichen ihre erstaunlichen und vielseitigen Fähigkeiten, die sich die Menschen schon bald zunutze machten.

Hunde in der Geschichte

Schon im alten Ägypten - bereits etwa 3.000 Jahre v.Chr. - wurden Hunde verehrt. Hunde wurden schon zur Jagd eingesetzt und ausgebildet. Auch im antiken Rom - etwa 500 vor Christus - hatten Hunde eine herausragende Bedeutung, sowohl als Wach- und Hirtenhunde als auch als Jagdhunde. Doggen sollen sogar mit in die Kriege genommen worden sein: sie wurden ausserdem in der Arene für Kämpfe mißbraucht.

Im alten China - etwa 200 Jahre v.Chr. - wurden Miniatur Pekinesen gezüchtet, die sogar in Kleiderärmeln von Menschen Platz fanden, angeblich, um ihre Besitzer von dort aus verteidigen zu können.

Beliebte Hunde bei den Atzteken waren Überlieferungen zufolge Chihuahuas. Bereits im 8. Jahrhundert n.Chr. wurden diese besonders von Azteken Priestern gehalten. Dort galten Hunde auch "als Führer der Toten ins Jenseits", und demzufolge verlor beim Tod eines Menschen auch jeweils ein Chihuahua sein Leben.

Im Mittelalter begann die Hundezucht

In Europa erfuhren die dem Adel vorbehaltenen Hunde im Mittelalter einen Bedeutungszuwachs, und man begann, Hunde gezielt zu verpaaren. Dabei entsanden neue Rassen, wie zum Beispiel der Windhund, der die Aufgabe hatte, bei der Jagd das Wild über weite Strecken zu hetzen. Das Ansehen von Windhunden im Mittelalter wird auch durch Jagdgemälde belegt.

Eine vergleichbare Rassezucht wie heute existierte aber in der Zeit von etwa 1300 bis 1600 n Chr. noch nicht. Hunde wurden vor allem für bestimmte Funktionen gezüchtet, wenigerwegen ihres Exterieurs.

Fehlentwicklungen in der Rassezucht

Im 18. Jh. hatte der Hund inzwischen in allen Bevölkerungsschichten Einzug gehalten. Die Anzahl der Hunderassen nahm von nun an stetig zu . Dies führte in den folgenden Jahrhunderten zu einer größeren Vielfalt - insbsondere beim äußeren Erscheinungsbild - in der Hundezucht.

Dieses Zuchtverhalten entwickelte sich auch stark zum Nachteil der verschiedenen Hunderassen. So fristen Möpse mit ihren flach gezüchteten Nasen oft ein Leben als Asthmatiker, und Dalmatiner müssen für ihre Tüpfelungen im Fell häufig mit Taub- und Blindheit leben.  Zudem nehmen Herzkrankheiten, Epilepsien, Verhaltensstörungen oder die Unfähigkeit, Nachwuchs ohne Kaiserschnitt auf die Welt zu bringen, bei Hunden zu.

Hunde im Einsatz für Menschen

Hunde sind im Einsatz für uns Menschen längst in vielen Lebensbereichen unverzichtbar. hier sollen einige der vielen Aufgabenbereiche des Hundes genannt werden. Heutzutage im bekanntesten sind die Haus- und Familienhunde. In der Viehwirtschaft schätzt man Treib- und Hütehunde sowie Herdenschutzhunde, auf einsamen Höfen auch Wachhunde. Jäger setzen je nach den Bedingungen in ihrem Revier Vorsteh-, Apportier-, Stöber-, Bau- und Schweißhunde ein. Schlittenhunde übernehmen Transporte in unwegsam verschneiten Gegenden.

Zudem wirken Hunde als Spezialisten in vielen Sondereinsatzbereichen, zum Beispiel als Lawinensuchhunde, als Rettungshunde in Trümmern und als Spürhunde für Minen, Sprengstoff oder Brandmittel. Ein Drogenspürhund kann sogar 40 verschiedene Rauschgiftmittel unterscheiden. Mantrailling-Hunde suchen nach vermisten Personen, Leichensuchhunde nach deren sterblichen Resten.

Es wird in der Gesellschaft nach wie vor völlig unterschätzt, wie sehr wir auf Hunde angewiesen sind. Nicht nur Blinden- und Behindertebegleichthunde unterstützen ihre Halter, inzwischen gibt es auch "Dual Purpose"-Hunde, die für Personen mit mehrfachen Behinderungen ausgebildet werden.

Hunde sind unsere Sozialpartner

Hunde werden für uns besonders auch als Sozialpartner im engeren Sinne immer wichtiger. Wissenschaftler gehen heute längst davon aus, dass die soziale Entwicklung des Menschen durch Hunde gefördert wird, wie auch Mitgefühl, Herzlichkeit und sogar das soziale Lachen. So beschäftigen sich Soziologen und Ethologen mit Fragen wie: Ist Menschlichkeit hündisch ?

Längst ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass Tiere - und insbesondere Hunde - uns Menschen guttun. Daher gibt es kaum noch Bereiche in der modernen Medizin und Pädagogik, in denen Hunde nicht eingesetzt werden: In Kliniken und Seniorenheimen, in Schulen und Kindergärten, in der Psychatrie und sogar im Strafvollzug helfen sie bei der Erziehung und Heilung.

Hunde kooperieren gerne mit uns Menschen und lassen sich daher gut zum Therapiehund ausbilden, sofern die Ausbildung mit Liebe, Respekt und profundem Wissen sowie Einfühlungsvermögen für den Hund gestaltet wird. Dazu gehört auch, den Hund zu begleiten und den Einsatz mit Augenmaß durchzuführen.

Ausserdem sollten wir niemals vergessen: Tiere - und besonders Hunde - sind uns anvertraut. Darüber hinaus sind sie für uns Menschen in einer urbanisierten und zunehmend natur- und sinnentleerten Welt unser letztes Bindeglied zur Natur.

Der Artikel wurde uns von Lothar Siegmann aus Detmold zur Verfügung gestellt.

 

 

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